Rudolf Höß



Ein besonderer Fall unter den Tätern stellt der Lagerkommandant von Auschwitz, SS-Obersturbannführer Rudolf Höß, dar.

Geboren am 25. November 1900, wurde er am 4. Mai 1940 zum Kommandanten von Auschwitz ernannt. Im November 1944 wurde er von seinem Posten abgezogen, er war es aber, der den Aufbau dieses monströsen Vernichtungslagers maßgeblich geplant und geleitet hat.

Als er 1946 verhaftet wurde und in Polen auf sein Verfahren wartete, schrieb er in Haft seine Erinnerungen auf. Durch diese Aufzeichnungen können wir heute den Versuch unternehmen, nachzuvollziehen, wie Höß seine Zeit in Auschwitz verarbeitet hat.

Am Anfang seiner Aufzeichnung beschreibt er den Aufbau des Lagers und seine Einstellung. Liest man diesen Abschnitt, fällt einem sofort auf, dass es Höß eher um den reibungslosen Ablauf der Bauarbeiten geht, als um die Menschen, die später hier vernichtet werden sollten. Er beschwert sich darüber, wie schwer es doch war, die benötigten Materialien zu beschaffen. Durch den direkten Befehl von Heinrich Himmler sieht Höß den Aufbau des Lagers, und nicht die Vernichtung der Juden, als seine Lebensaufgabe. Man hat das Gefühl, dass er die Vernichtung verdrängt, nicht damit klar kam.

In den nächsten Abschnitten beschreibt er die "Endlösung der Judenfrage", also deren Vernichtung. Für ihn, in seiner Eigenschaft als Lagerkommandant, war es am wichtigsten, sich gegenüber seinen Untergebenen nichts anmerken zu lassen. Viele von ihnen hatten, so Höß, psychische Probleme, waren oft krank und schrieben Urlaubsgesuche. Auch er gibt zu, dass er oft selbst schwer damit zu kämpfen hatte, wenn er bei Vergasungen zugegen war, gerade wenn er jüdische Familien sah, die seiner eigenen ähnelten. Er selbst war „seit Beginn der Massenvernichtung nicht mehr glücklich.“

Er beschreibt auch, dass seine Familie, die direkt am Lager wohnte, enge Kontakte zu den Häftlingen, die für die Familie Höß arbeiteten, aufbaute. Seine Kinder zum Beispiel bettelten ihn oft um Zigaretten für die Gärtner an, die sich fürsorglich um das geliebte „Blumenparadies“ der Frau Höß kümmerten.

Trotzdem standen die Befehle für ihn an oberster Stelle.
Er sagt: „Wohl stand für uns der Führerbefehl unverrückbar fest, auch, dass die SS ihn durchführen musste. Doch in allen nagten geheime Zweifel. [...] Ich musste mich, um die Beteiligten zum psychischen Durchhalten zu zwingen, fest von der Notwendigkeit der Durchführung dieses grausamen Befehles überzeugt zeigen.“

Seine menschlichen Regungen kamen ihm beinah wie Verrat am Führer vor.

Höß wurde am 2.April 1947 von den polnischen Obersten Volkshof zum Tode verurteilt und am 16.April 1947 in Auschwitz gehängt.







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